Showdown in Rom: Feuerprobe für Berlusconi

Gepostet von mt28 am Nov 8, 2011 in Allgemein | Keine Kommentare

Anfang der Woche erreichten die Rücktrittsgerüchte von Italiens Regierungschefs Silvio Berlusconi einen neuen Höhepunkt. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann der Cavaliere sein Amt nieder legt. Schon im vergangenen Oktober ist Berlusconi bei einer Abstimmung über den Rechenschaftsbericht durchgefallen. Aus Kreisen seiner Partei wurde bekannt, dass Berlusconi sofort zurücktreten wird, falls er bemerkt, dass er nicht mehr über die Mehrheit verfügt. Nach dem turbulenten Wochenanfang hat sich Berlusconi mit seinen Kindern und Vertrauten in seinem Anwesen in der Nähe von Mailand getroffen, was bei der Familie Berlusconi eine lange Tradition hat. Die politischen Beobachter analysierten, dass sich der Regierungschef nach der letzten Zerreisprobe erst mal eine Atempause gönnt. Seit Mitte der 1990´er-Jahre hatte Silvio Berlusconi zahlreiche Untersuchungsverfahren sowie Sex-Skandale mehr oder weniger glimpflich überstanden. Mittlerweile scheint es jedoch so, dass ihm die Zügel aus den Händen gleiten, da ihm schlichtweg die Kraft für einen Wandel fehlt. Der Regierungschef hat den Internationalen Währungsfonds unterdessen auf dem G-20-Wirtschaftsgipfel in Cannes um die Überwachung der italienischen Reformbemühungen gebeten. Für die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt ist dies sicherlich eine erniedrigende Entwicklung. Nach Irland, Spanien, Portugal und zuletzt Griechenland droht jetzt auch Italien eine neue Regierungskrise. Das Land lebt bereits seit über zehn Jahren mit einem niedrigen Wachstum und hohen öffentlichen Schulden. Die privaten Haushalte sparen jedoch im Gegensatz zu der Regierung viel Geld und viele Menschen sind zudem die Eigentümer ihrer Häuser. Somit konnte Italien weitgehend vor privaten Schuldenkrisen und Immobilienpleiten geschützt werden, welche beispielsweise andere Volkswirtschaften wie Spanien heimsuchten. Sobald die Zinsen ansteigen, wächst nichts desto trotz jedes Mal die Wahrscheinlichkeit, dass Italien gerettet werden muss. Seit der Euro-Einführung haben die Zinsraten für zehnjährige Staatsanleihen von Italien mit 6,5 Prozent am Ende der vergangenen Woche einen neuen Rekordwert erreicht.